Projektmanagement: klassisch, agil, hybrid?

Klassisches Projektmanagement ist unflexibel, träge und man dokumentiert sich zu Tode.
Agiles Projektmanagement ist konfus, arm an Kontrolle und am Ende ist nichts dokumentiert.

Dies sind zwei Sichtweisen auf sehr kontrovers diskutierte Vorgehensmodelle für das Projektmanagement. Die Aussagen stammen verständlicherweise von den jeweiligen „Gegnern“. Doch so deutlich schwarz und weiß lässt sich das Bild in der Projektmanagementmethodik nicht mehr zeichnen. Beide haben ihre Daseinsberechtigung. Ebenso wie der daraus entstandene Mischling, das hybride Projektmanagement.

Für welche Vorgehensweise sollten sich Unternehmen entscheiden?

Wie bei vielen Themen zählt auch bei der Frage nach der geeigneten Methodik für das Projektmanagement: es kommt darauf an! Eine bestimmte Methodik ist mal besser, mal weniger gut geeignet, je nach Unternehmenskultur, Einstellung und Erfahrung der Mitarbeiter sowie der generellen Bereitschaft für Veränderung.

Vorhersehbarkeit pur: Klassisches Projektmanagement

Als zertifizierter PMP und mit Erfahrung aus zahlreichen Projekten (ich könnte auch schreiben: …und „trotz“ Erfahrung aus zahlreichen Projekten) kann ich mich nach wie vor für die klassische Vorgehensweise begeistern. Bei einem projekterfahrenen Team ist allen bekannt, was wann und wie zu tun ist. Der Projektleiter kann sich auf das Stakeholder-Management konzentrieren.

Zu erledigende Schritte sind leicht nachvollziehbar. Eine klare Aussage zu „wo stehen wir gerade“ ist für die einzelnen Phasen (meistens) präzise möglich. Aufgrund der umfangreich vorhandenen Erfahrungswerte können die magischen Themen Zeit, Kosten und Inhalt (Qualität) in der Regel gut abgeschätzt und prognostiziert werden.

Durchaus zurecht werden jedoch einige Aspekte kritisiert. Der Dokumentationsaufwand ist in der Regel immens. Der Projektleiter geht ohne ein qualifiziertes PMO als Unterstützung in der Masse der zu erstellenden Dokumente unter.
Änderungsmanagement ist ein Stiefkind, das alles durcheinanderbringt und Unruhe stiftet (sowie Unzufriedenheit schürt).
Ebenso wenig erbaulich sind oftmals die Dauer und die damit einhergehenden Kosten.
Den Auftraggebern hingegen gefällt nicht, dass der Zeitpunkt der ersten Lieferung häufig sehr weit in der Zukunft liegt.

Alles anders: Agiles Projektmanagement

Ganz anders geht es zu in einer agilen Umgebung. Flexibilität hat oberste Priorität, Transparenz ist unabdingbar. Das Team tauscht sich täglich intensiv aus. Etwas lax formuliert: Das Projektteam darf sich innerhalb gesteckter Rahmenbedingungen „austoben“.

Die Dynamik und die kurzgetakteten Lieferhistorien werden zahlreiche Menschen begeistern und mitreißen. Besonders, wenn am Ende (bzw. an den zahlreichen Enden) für den Auftraggeber etwas Sinnvolles herauskommt.

Doch nicht alle Mitarbeiter kommen mit dieser Dynamik und Geschwindigkeit klar. Es wird ihnen zu wenig dokumentiert, ständig ändert sich etwas. Die Vorhersehbarkeit der nächsten Monate ist nicht gegeben. Denn: Aus einem roten Kreis kann aufgrund positiver Erfahrungen vorheriger Zyklen schon mal ein blaues Quadrat werden (etwas überspitzt dargestellt).

Hybrides Projektmanagement als Zwischenschritt

In einem meiner letzten Projekte führten wir in einer sehr konservativen Umgebung Stand Up-Meetings sowie ein Kanban-Board ein. Letzteres sowohl an einer Metaplanwand als auch elektronisch (Jira). Die Stand-Up Meetings fanden zunächst 2x pro Woche statt. Die Reaktionen des Teams, das bisher rein nach Wasserfall gearbeitet hatte? Sehr gemischt, um es vorsichtig zu formulieren.

Allein das Einführen dieser beiden kleinen Änderungen ging mit hohem Gesprächs- und Diskussionsbedarf vonstatten. Und exakt so stelle ich mir dies für jedes bisher intensiv klassisch agierende Unternehmen vor. Eine komplette, dramatische Umstellung von klassischem auf agiles Projektmanagement in nur einem Schritt wird scheitern. Der Änderungsumfang ist schlichtweg zu groß.

Als idealer Zwischenschritt bietet sich das hybride Projektmanagement an. Einzelne Aspekte das agilen Ansatzes werden in den klassischen Ansatz integriert. In kleinen Schritten wird die Vorgehensweise nach und nach immer agiler.

Klingt einfach, ist es aber nicht. Man kann sich zwar aus beiden Welten seine eigene Methodik und Vorgehensweise im Projektmanagement zusammenbauen, doch Konfliktpotential wird es immer wieder geben. Und sei es nur die Diskussion der Projektleiter, welche Aspekte von klassisch oder agil denn nun zu nutzen seien.

Und was ist mit den Projektleitern?

Ein nach klassischen Gesichtspunkten erfolgreicher Projektleiter kann nicht „einfach so“ auf einem agilen Projekt eingesetzt werden. Die Hauptbezugs- und Führungsperson für alle Projektthemen wird im agilen Umfeld nicht als „Bestimmer“, sondern als Moderator benötigt. Konflikte zwischen Projektteilnehmern sind umgehend zu beseitigen, Stakeholder anders als bisher einzubeziehen. Offene Kommunikation sowie Aufbau von Vertrauen in die Fähigkeiten der anderen Projektteilnehmer sind absolut elementar.

Projektleiter müssen sich bei einem Schwenk von klassisch auf agil demzufolge neu definieren. Weiterbildung, Erfahrungen sammeln, Austausch mit bereits im agilen Umfeld aktiven Projektleitern – es ist wie ein Neustart.

Habe Sie Erfahrungen mit Änderungen der Projektmanagement-Methodik?

Haben Sie eine Umstellung von klassisch auf agil, auf hybrid oder in eine andere Richtung vorgenommen, begleitet, erlebt? Was sind Ihre Erfahrungen hierbei?

Möchten Sie eine eingeführte Methodik ändern? Was ist Ihre geplante Vorgehensweise?

Ich freue mich auf Ihre Anregungen!

 

2 Antworten auf „Projektmanagement: klassisch, agil, hybrid?“

    1. Hi, entschuldige die späte Rückmeldung (und leider Absage für die Veranstaltung), war länger im Urlaub. Vom Thema her passt das, momentan scheint „hybrid“ das Wort der Stunde zu sein… Viele Grüße aus dem Norden!

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