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Zertifizierung zum PMP – bringt das was?

Im April 2005 bestand ich die Prüfung und somit die Zertifizierung zum PMP. Zehn Jahre später blicke ich zurück: Was hat mir die Zertifizierung gebracht?
Außerdem: Am Ende des Artikels eine Frage an Sie, auf Ihre Antwort bin ich sehr gespannt.

Der „Project Management Professional“ (PMP) ist eine Zertifizierung des Project Management Institutes (PMI). Im Web finden sich tausende Seiten, die die Vorteile des PMP aufführen, einige betrachten erfreulicherweise – meist neutral – auch die Nachteile. Allgemeines zum PMP möchte ich hier nicht erläutern, das wurde bereits zur Genüge von vielen anderen Autoren, Projektmanagern und Beratern erledigt. Vielmehr stelle ich hier den Einfluss auf und die Veränderung für mich persönlich dar.

Warum wollte ich die Zertifizierung zum PMP?

Anfang 2005 machte ich mich selbstständig, es war meine erste Phase von „Hubert Hell Consulting“ (seit Januar 2016 CPM Hubert Hell GmbH). Da ich zum Jahresanfang noch kein Projekt bei einem Kunden hatte, überlegte ich, wie ich die freie Zeit sinnvoll gestalten könnte. Eine Weiterbildung sollte es sein, gerne im Bereich Projektmanagement oder Business Analyse.

Die Bandbreite meiner Ideen und Recherche schwankte zwischen einfachen Tagesseminaren bis hin zum MBA in Project Management. Ersteres erschien mir zu banal, Letzteres etwas zu umfangreich. Schließlich blieb ich immer wieder bei Zertifizierungen hängen, bis sich zwei herauskristallisierten: PMI und IPMA. Nach einigen Überlegungen und weiteren Recherchen entschied ich mich für die Zuertifizierung zum PMP vom Project Management Institute. Ich tat mir eine wirklich spaßfreie Woche Training an und bestand mit deutlich erhöhtem Pulsschlag die Prüfung. Ich war PMP. Und dann?

Einsatz des PMP-Wissens in Projekten

In keinem einzigen Projekt in den vergangenen zehn Jahren war die Zertifizierung zum PMP entscheidend. Was ich damit sagen möchte: Alle Projekte hätte ich auch ohne die theoretischen Kenntnisse des PMP und ohne die PMP-Zertifizierung begleiten können.

Zwei unbestritten große Vorteile möchte ich hervorheben, die die Projektarbeit für mich dennoch deutlich erleichterten:

  1. Wording: Die standardisierte Bezeichnung der einzelnen Phasen, Schritte und vor allem der Deliverables erleichterte deutlich die initiale Kommunikation mit anderen (anfangs noch recht unbekannten) Projektmitgliedern. Auch wenn die zugrundeliegende Methodik oftmals ein hausinternes Eigengewächs war, so war der grundsätzlich gewünschte Inhalt des besprochenen Lieferpakets alleine aufgrund der Namensgebung klar und eindeutig.
  2. Vorgehensweise und Struktur: Im Grunde genommen gibt es bei der Projektvorgehensweise Wasserfall keine großen Unterschiede zwischen all den zahlreichen Methodiken. Irgendwann erfolgt irgendwie ein Start, und deutlich später ist alles fertig (meistens, zumindest). Dazwischen passiert eine ganze Menge, was je nach Vorgehensmodell mal so oder so dokumentiert werden muss.
    Was mir so gut am PMP gefällt ist der Raum und die Freiheit, die mir bei der Umsetzung der Projekte gelassen wird. Das PMBOK ist für mich ein „Vorschlag“, was alles in einem Projekt beinhaltet sein kann, und je nach Kunde, Auftrag und Projektinhalt kann ich mehr oder weniger intensiv das methodische Umfeld gestalten. Es gibt eine klare Struktur und Vorgehensweise, die Details bleiben jedoch mir überlassen.

Persönlich und privat

Das „PMP“ auf der Visitenkarte war durchaus nett anzuschauen, zudem ermöglichte es bei Gesprächen mit Kartenaustausch eine elegante Überleitung zu den Themen Methodik und Zertifizierung. Bei der aktuellen Version meiner Visitenkarten habe ich das PMP jedoch nicht mehr aufgeführt. In der Signatur benutze ich den Titel PMP schon lange nicht mehr. Es wäre mir zwar nicht peinlich, doch ich bevorzuge eher das Understatement.

Da ich ein überzeugter Befürworter des Prinzips bin, dass jeder seinen eigenen Weg zu einem vorgegebenen Ziel finden sollte, liegt mir das Konzept der vorgegebenen Struktur mit vielen Freiheiten sehr. Bei privaten „Projekten“ gehe ich zwar nicht nach PMBOK vor, meine bereits vorhandene strukturierte Vorgehensweise leidet jedoch keinesfalls unter dem gewonnenen Wissen.

Fazit

Die Zertifizierung zum PMP im Profil stehen zu haben schadet zumindest nicht. Vielleicht öffnet es die ein oder andere Tür bei Interviewern und Personalern – vielleicht wäre man aber auch so in die engere Auswahl gerutscht. Einen rein monetären Vorteil (höherer Stundensatz aufgrund des PMP) konnte ich bisher nicht feststellen. Missen möchte ich das vermittelte Wissen jedoch nicht.

Fakt ist jedoch: Der Titel PMP liefert keine Projekte. Ein Projektmanager kann davon profitieren, allerdings ist dies nur ein kleiner Teil im komplexen Projektgebilde.

Würde ich die Prüfung heute erneut angehen? Vermutlich nicht. Zum einen verstehe ich den Zertifizierungs- und Scheinewahn bereits seit längerer Zeit nicht mehr. Zum anderen würden mich die hohen Kosten für die notwendige Schulung heute mehr abschrecken als vor zehn Jahren. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich bei keinem meiner bisherigen Projekte den PMP als Pflicht- und Ausschlusskriterium erlebt habe.

Somit: Das Wissen, das bei der Zertifizierung zum PMP vermittelt wird, ist hervorragend. Die Zertifizierung an sich empfinde ich als überflüssig.

 

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Nachtrag vom Januar 2018

Seit der Veröffentlichung des Artikels vermehrten sich die Projektanfragen, bei denen entweder der PMP oder eine andere Zertifizierung gewünscht war. Der Scheinezwang scheint nunmehr definitiv im deutschen Projektgeschäft angekommen zu sein.

Wie zufrieden und glücklich meine Kunden mit meinem Einsatz waren, ob und wie Ziele erreicht wurden, ob ein Glaspalast oder ein Scherbenhaufen hinterlassen wurde – das interessierte in den vergangenen zwölf Monaten keinen einzigen der Anfragenden. Wozu auch, ich bin ja PMP-zertifiziert! (entschuldigen Sie bitte meinen leicht ironischen Ton)

 

Frage(n) an Sie

Wie ergeht es Ihnen bei Projektanfragen und mit Kunden? Wird die Zertifizierung als Muss-Kriterium für einen Projekteinsatz immer wichtiger? Oder zählen eher Ergebnisse statt Scheine? Können Sie einen Unterschied feststellen zwischen Projektvermittlern und Direktkunden?

Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung, gerne als Kommentar am Ende dieses Artikels oder per direkter Nachricht.

2 Antworten auf „Zertifizierung zum PMP – bringt das was?“

Hallo Herr Hell,
Ihr Artikel ist zwar bereits etwas älter, trifft jedoch nach wie vor zu.
Ich selbst bin seit 7 Jahren selbstständig. Trotz gewünschter PM-Zertifizierung in Ausschreibungen konnte ich jedoch, ähnlich wie Sie, nicht nachvollziehen, ob mein PMP nun den Zuschlag begünstigte oder ob es im Grunde egal gewesen wäre (d.h. ob die Erfahrung ausschlaggebend war). Somit kann ich Ihnen zwar keine definitive Antwort liefern, freue mich jedoch, wenn Sie irgendwann eine Aktualisierung haben.
Newsletter ist ebenfals abonniert.
Schönen Gruß
HB

Hallo Herr Brenner,
seit dem Veröffentlichen des Artikels (bzw. des Updates) habe ich keine grundlegenden anderen Erfahrungen gemacht. Mir ist es immer noch ein Rätsel, wie wichtig der PMP nun ist – oder eben auch nicht. Beim vorletzten Projekt stand er in der Ausschreibung drin, im Gespräch redeten wir kurz über Zertifizierung generell. Später erfuhr ich, dass ich den Zuschlag auch ohne PMP bekommen hätte aufgrund meiner Erfahrung. Insofern: den PMP zu haben schadet auf keinen Fall. Ob es Nachteile mit sich bringt, keine Zertifizierung zu haben? Das weiß ich leider per heute immer noch nicht.
Viele Grüße
Hubert Hell

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